(Reise-)Freiheit für alle

Mir wird das alles zu viel! Hiobsbotschaften an jeder Ecke: vom Brexit und den spinnerten Ideen eines Boris Johnson, Rundumschläge weltweit von Donald Trump in den USA, Brandrodungen in Brasilien und jeden Tag schlechte Nachrichten und Diskussionen rund ums Klima, Massentierhaltung und vielem anderen mehr.

Der Verbraucher wird bei uns total verunsichert, ob er nun Bio-Lebensmittel kaufen soll oder ob das alles nur Geldmacherei ist, dann gibt's da den Dieselskandal und man soll am besten auf E-Mobilität umsteigen, trotz der Lithium-Akkus, dessen Abbau in Südamerika ganzen Landstrichen das Wasser abgräbt und damit der indigenen Bevölkerung die Lebensgrundlage entzieht. In den vergangenen Jahren wurden bei uns hier noch nie so viele Smartphones, E-Bikes, E-Scooter etc. verkauft und alles soll gut sein? Das kann ich nicht glauben. Und unsere Politik steht auf der Bremse und betreibt Lobbyismus mit allen möglichen Verbänden und  


großen Konzernen und schiebt Entscheidungen auf 10 Jahre in die Zukunft! Welche Zukunft? Mit dieser Vorgehensweise werden wir - und vor allen Dingen unsere Kinder und Enkelkinder - keine Zukunft mehr haben. Wir müssen hier und heute - JETZT - etwas tun. Und da es die Politik nicht tut, muss jeder Einzelne etwas dafür tun. Und das kann man auch ... und vor allen Dingen, ohne auf angenehme Dinge gänzlich verzichten zu müssen.

SOS - Wahnsinn Kreuzfahrt

Sie werden jetzt sagen: "Das kommt ja vom Richtigen, der Reisen weltweit verkauft und sich sogar auf Kreuzfahrten spezialisiert hat." Ja, ich habe mich bereits vor rund 20 Jahren mit dem Thema Kreuzfahrten beschäftigt und habe dabei meine Leidenschaft dafür entdeckt. Und ich genieße es noch heute, auf Kreuzfahrt zu gehen, wenngleich ich die Megaliner mit über 4.000 Passagieren selbst nicht mag. Im Moment werden die Reedereien mit ihren Kreuzfahrten von der Presse an den Pranger gestellt (wie in dem kürzlich erschienenen Bericht im Spiegel "SOS Wahnsinn Kreuzfahrt"), als gäbe es nichts anderes, was die Umwelt schädigt. Ich möchte hier die Kreuzfahrt auf keinen Fall schönreden, aber die Reedereien sind absolut darum bemüht, wirklich etwas zu tun und es geht auch tatsächlich voran. Und zwar schneller als in der Politik oder in vielen anderen Bereichen. Ob das, was jetzt getan wird, schlussendlich das Optimum ist, sei dahingestellt, aber es bewegt sich tatsächlich etwas in die richtige Richtung. Und wenn ich dann solche absurden Interviews lese bzw. sehe, wie das in Panorama, in dem Frau Wybcke Meier (TUI Cruises-Chefin) doch tatsächlich gefragt wird "Steigen denn die Treibhausgase durch die Kreuzfahrt oder sinken sie?", dann kann ich nur sagen, diese Frage war beim falschen Sender mit dem falschen Reporter und gehört eigentlich ins Dschungel-Camp. Was bitte erwartet ein Reporter als Antwort auf solch eine blöde Frage? Dass Frau Meier auf diese Frage strauchelte, ist verständlich und wurde dennoch gleich in der Presse ausgeschlachtet ... In meinen Augen sollte es eine Maximalgröße für Kreuzfahrtschiffe geben, die Umweltvorschriften gehören streng überwacht und auch in den Häfen mit Landstromanschluss darf es keine Wahl geben, ob das Schiff angeschlossen werden will oder nicht, sondern es muss angeschlossen werden. Auch sollten die Reedereien, die in Deutschland anlegen, zumindest einen Anteil an Steuern bezahlen - unabhängig von der Flagge, unter der sie fahren.

Overtourism und mehr ...

Und beim vieldiskutierten Thema Overtourism sind dann die Billigflieger schuld, aber natürlich auch der Verbraucher, der genau diese Flüge bucht und dann für 2-3 Tage nach Barcelona, Rom, Venedig etc. fliegt. Nur, weil man es eben kann ... Darüber hinaus sind aber auch die Destinationen selbst schuld, die die Touristenströme nicht begrenzen und auch die Anläufe der Kreuzfahrtschiffe nicht limitieren. Und dann kommt noch die neue Form der Selbstinszenierung über solche Kanäle wie Instagram, durch die Destinationen überrannt werden, einzig um ein Foto "zu schießen" und sich in Szene zu setzen.

Irreführung der Bevölkerung

Das Einzige, was derzeit effektiv ist und wirklich etwas voranbringt, ist die Fridays-for-future-Bewegung, die so einiges ins Rollen gebracht hat und vor allen Dingen weiterhin bewegt. In allen anderen Bereichen, ob Massentierhaltung, Verkehrskollaps (den wir übrigens schon lange haben), E-Mobilität (es sei dahingestellt, ob das das Non-plus-ultra ist) und vieles andere mehr, muss großteils eben einfach unsere Politik die Weichen stellen. Beim Thema Klimaschutz geht es auch um den Tourismus, sicherlich aber nicht in erster Linie. Es geht vielmehr um unsere Art des Konsumierens und Produzierens in allen Bereichen unsere Lebens - vom Wohnen bis zu Streaming-Diensten und bis hin zur Nutzung unserer Mobiltelefone (Smartphones) und der Nutzung von immer größer werdenden Autos (SUV's). Richard David Precht hat hier einmal folgendes dazu gesagt: "SUV sind wie die Dinosaurier in der Kreidezeit an einem Turning-Point: Erst wurden sie immer größer und als sie am größten waren, starben sie aus." Und dennoch sollte jeder Verbraucher die Entscheidung selbst treffen dürfen, ohne dass wir durch unseren Staat komplett reglementiert werden.

Was tun wir als Reisebüro und Verbraucher?

Für uns als Reisebüro ist es sehr wichtig, unsere Kunden darüber aufzuklären, dass man durchaus überlegen sollte, ob man nicht lieber eine längere Reise unternimmt oder drei bis vier Mal im Jahr für je 4-5 Tage auf Urlaub geht. Außerdem arbeiten wir z.B. bei Studien- und Erlebnisreisen bevorzugt mit Veranstaltern zusammen, die nachhaltig sind (z.B. durch Spenden in die entsprechenden Länder, Hilfe bei sozialen Projekten vor Ort etc.) und die in kleinen Gruppen unterwegs sind. Hierbei arbeiten wir in erster Linie mit CHAMÄLEON-Reisen zusammen, bei denen 70% der Einnahmen wieder in die Länder zurück fließen. Und bei Kreuzfahrten informieren wir unsere Kunden auf unserer Seite über die Umweltberichte unserer stärksten Reedereien TUI Cruises und AIDA. Außerdem haben wir dort auch Links z.B. zu Atmosfair (CO2-Kompensation von Reisen) und Futouris, einem Informationsportal rund um nachhaltiges Reisen. Und ganz besonders möchten wir hier auch FORUM ANDERS REISEN erwähnen, über die wir besonders nachhaltige Reisen vermitteln. Auch schauen wir immer darauf, dass wir für Sie Hotels parat haben, die sich durch besonders viel Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein auszeichnen und die vor allem auch gut mit dem PKW oder der Bahn erreichbar sind. Aber auch im Ausland mit Fluganreise gibt es sehr vorbildliche Unterkünfte.

 

Und was tun wir selbst für unsere Umwelt? Wir arbeiten in unserem Reisebüro sehr energiesparend, ab der Saison 2020 werden wir unsere Katalogvielfalt reduzieren und stellen unseren Kunden die Informationen (speziell bei den Pauschalreisen) online zur Verfügung. So oft es geht fahren wir mit dem Fahrrad ins Reisebüro und sammeln auch immer wieder Müll in Sinzheim, Baden-Baden und auch in unserem Urlaub ein. An den Jahrestagungen unserer Reisebürokooperation BEST-Reisen nehmen wir nur noch teil, wenn diese in einem Land stattfindet (bevorzugt in Deutschland), das man bequem auch mit dem Auto erreichen kann. Wir sind einfach der Meinung, dass es in unserer heutigen Zeit nicht sein muss, dass 1.000 bis 1.500 Touristiker wegen 3 bis max. 4 Tagen in Ziele wie Ägypten oder was auch immer fliegen, um sich dort auszutauschen. Außerdem kaufen wir bei unserem örtlichen Metzger (auch wenn wir unseren Fleisch- und Wurstkonsum deutlich reduziert haben) und überhaupt überwiegend im örtlichen, regionalen Handel, um hier die Arbeitsplätze zu sichern und bevorzugt dort auch in Geschäften, die sich ebenfalls für Nachhaltigkeit etc. einsetzen, wie z.B. GECCO in Bühl, Buchhandlung STRASS in Baden-Baden und viele andere mehr. Sie sehen also: wir tun etwas und sind auch ständig dabei, dieses etwas auszubauen.

Mein persönliches Fazit zu der heutigen Zeit:

 

WACHSTUM UND NACHHALTIGKEIT LASSEN SICH NICHT VEREINEN !

 

Deshalb: genießt das Leben, aber eben so, dass es auch für unsere Kinder und Enkelkinder noch lebenswert ist! Esst Fleisch und Wurst, aber eben nicht mehr jeden Tag und gebt Geld aus für gute Lebensmittel und vor allen Dingen muss unser Staat kapieren, dass wir keine Tiere in Massentierhaltung für andere Länder produzieren müssen. Außerdem sollten Tiertransporte wenn überhaupt nur noch innerhalb Deutschlands erlaubt sein. Reist weiterhin, aber überlegt Euch gut, was Ihr wirklich erleben wollt und macht dann Eure Traumreise einmal im Jahr oder macht nur alle zwei Jahre eine tolle Reise, an die Ihr Euch dann aber lange gerne erinnert. Und diese Reise(n) könnt Ihr dann auch mit einem relativ guten Gewissen unternehmen.

 

Wir haben nur zwei Möglichkeiten: wir können das Ganze effektiv angehen und trotzdem so gestalten, dass wir die Lust am Leben nicht verlieren oder wir können weiterhin phantasievolle Worte erfinden wie "Flugscham", "Overtourism" und viele andere mehr und uns gegenseitig "bekriegen", wie es teilweise zwischen Fleischessern und Veganern läuft. Aber wem ist damit geholfen? Keinem! Und unserer Natur und den Tieren schon dreimal nicht ...